Kleine Anfrage
Höfesterben in Deutschland
- Eingereicht
- 24. Januar 2022
- Drucksache
- 20/472
- Eingebracht von
- Fraktion der AfD
- Wahlperiode
- 20.
Eine Kleine oder Große Anfrage bringt die Fraktion ein. Bernd Schattner hat sie mitgezeichnet – sie ist nicht seine allein.
Die Anfrage im Wortlaut
Vorbemerkung der Fragesteller
Höfesterben in Deutschland Derzeit gibt es noch etwa 263 500 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, die etwa 16,6 Millionen Hektar (ha) landwirtschaftliche Fläche bewirtschaften. Wie die Ergebnisse der Landwirtschaftszählung von 2020 zeigen, waren in den vergangenen zehn Jahren etwa 35 600 landwirtschaftliche Betriebe gezwungen, ihre Hoftore für immer zu schließen (https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Landwirtschaftsza ehlung2020/_inhalt.html). Dabei nimmt insbesondere die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ab, die höchstens 100 Hektar bewirtschaften, während die Zahl derer zunimmt, die mehr als 100 Hektar bewirtschaften. Inzwischen bewirtschaften etwa 14 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland (https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/landwirtschaftszaehlung-hoefesterb en-geht-577405). Dieser sich seit Jahrzehnten vollziehende Strukturwandel wird oft auch als „Höfesterben“ bezeichnet, weil es insbesondere die kleineren und mittleren landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind, die gezwungen werden, aus der Landwirtschaft auszusteigen, während die großen Betriebe immer größer werden (https://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/landwirtschaft/325872/strukturw andel). Die Gründe für das Höfesterben dürften nach Ansicht der Fragesteller hauptsächlich die schwierige wirtschaftliche Lage – niedrige Preise und ständig steigende Kosten – sowie die in immer kürzeren Abständen zunehmenden politischen Auflagen und Forderungen sein. Zusätzlich wird das Höfesterben in der Landwirtschaft noch durch andere Faktoren verstärkt, wie beispielsweise die EU-Agrarsubventionen und Marktregelungen (https://agrando.com/de-de/magazin/hoefesterben). Eine aktuelle Studie der DZ-Bank kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2040 nur noch etwa 100 000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland übrigbleiben werden und gleichzeitig die durchschnittliche Betriebsgröße spürbar zulegen wird. Langfristig drohe die Abkehr vom Jahrhunderte alten Modell des bäuerlichen Familienbetriebs, den selbstständige Bauern kennzeichnen (https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/studie-hoefesterben-nochlange-ende-565027). Deutscher Bundestag Drucksache 20/472 20. Wahlperiode 24.01.2022 Wir fragen die Bundesregierung: 1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitt
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)? a) Wie viele davon wurden im Haupterwerb und wie viele davon wurden im Nebenerwerb geführt? b) Wie viele Höfe davon haben ihren Betrieb von Hauptauf Nebenerwerb umgestellt, wie viele von Nebenauf Haupterwerb? c) Wie viele davon waren familiengeführt?
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühnerund Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden, nach Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)? a) Wie viele davon wurden im Haupterwerb und wie viele davon wurden im Nebenerwerb geführt? b) Wie viele Höfe davon haben ihren Betrieb von Hauptauf Nebenerwerb umgestellt, wie viele von Nebenauf Haupterwerb? c) Wie viele davon waren familiengeführt?
3. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wachstumsschwelle der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wachstumsschwelle der landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühnerund Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden, nach Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
5. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland nach der Fläche entwickelt (bitte für jedes Jahr und in den Schritten <10 ha, 10 bis 50 ha, 50 bis 100 ha, 50 bis 200 ha und >200 ha angeben sowie nach Bio und konventionell unterscheiden)?
6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühnerund Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland nach der Fläche entwickelt (bitte für jedes Jahr und in den Schritten <10 ha, 10 bis 50 ha, 50 bis 100 ha, 50 bis 200 ha und >200 ha angeben sowie nach Nutztierart aufschlüsseln und nach Bio und konventionell unterscheiden)?
7. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche Fläche landwirtschaftlicher Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr und in ha angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden sowie nach Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche Fläche landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühnerund Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr und in ha angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden sowie nach Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
9. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche Tierbestand an Rindern, Milchvieh, Schweinen, Hühnern und Puten in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Nutztierart aufschlüsseln, nach Bio und konventionell unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
10. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche Tierbestand pro Hof an Rindern, Milchvieh, Schweinen, Hühnern und Puten in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Nutztierart aufschlüsseln, nach Bio und konventionell unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
11. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil an ökologisch bewirtschaftetem Ackerland in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben und vergleichbare Daten verwenden)?
12. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Landwirte in den kommenden fünf Jahren (schätzungsweise) in den Ruhestand gehen werden, und wenn ja, welchen Einfluss wird das nach Einschätzung der Bundesregierung auf das „Höfesterben“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) haben?
13. Beabsichtigt die Bundesregierung bei dem von ihr geplanten „artgerechten Umbau der Nutztierhaltung“ auch etwas gegen die „ökonomischen Kräfte, die den Betriebsgrößenstrukturwandel seit Jahrzehnten treiben“ zu unternehmen oder darauf einzuwirken, und wenn ja, mit welchen konkreten Maßnahmen (Antwort der Bundesregierung zu Frage 2 der Kleinen Anfrage der Fraktion der AfD „Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen auf die deutsche Landwirtschaft“ auf Bundestagsdrucksache 19/31317)? a) Wenn ja, was konkret? b) Wenn nein, warum nicht?
14. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie sich die Corona-Pandemie beziehungsweise die politischen Corona-Maßnahmen bislang auf das „Höfesterben“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) und die Betriebsergebnisse ausgewirkt haben, und wenn ja, welche?
15. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Insolvenzen bei landwirtschaftlichen Betrieben in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
16. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Gesamtverschuldung der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
17. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die landwirtschaftlichen Einkommen in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
18. Was sind nach Einschätzung der Bundesregierung die Haupttreiber des „Höfesterbens“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
19. Was genau meint der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Cem Özdemir, wenn er sagt, dass wir ein Artensterben und ein „Höfesterben“ hätten und wir beides gleichermaßen angehen müssten (https://www.agrarheute.com/politik/oezdemir-will-agrarminister-werk-kuenasts-fortsetz en-588182), beziehungsweise mit welchen konkreten Maßnahmen soll dies geschehen?
20. Was genau meint der Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Dr. Robert Habeck, wenn er sagt, dass wir ein Artensterben und „Höfesterben“ hätten und es deshalb ein neues Denken in der Agrarpolitik bräuchte, welches nicht nur „wachse oder weiche“ kenne (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/landwirtschaft-koalitionsvertra g-verbraucher-101.html), beziehungsweise mit welchen konkreten Maßnahmen soll dies geschehen?
Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage erscheint als eigene Drucksache und ist hier nicht abgedruckt. Sie ist über die Parlamentsdatenbank des Deutschen Bundestages unter derselben Vorgangsnummer zu finden.
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