Rede im Bundestag
Aktuelle Stunde zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie
13. November 2025 · 14:53 Uhr · 40. Sitzung · TOP ZP 4 · 00:05:30
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Was gesagt wurde
Wortlaut aus der Untertiteldatei des Deutschen Bundestages. Automatisch erstellt – kleinere Abweichungen vom gesprochenen Wort sind möglich. Verbindlich ist das Plenarprotokoll.
ist Bernd Schattner.
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
„Wettbewerbsfähige Industrie – Entlastung durch Netzentgeltsenkung
und Industriestrompreis“, das ist der Titel der Aktuellen Stunde.
Eine schöne Überschrift, und wir haben auch viele warme Worte gehört.
Nur, diese Versprechen hören wir seit Jahren, erst von der vergrünten Ampel
und jetzt von der CDU-geführten Regierung. Und was ist passiert? Die Zahlen sprechen doch eine ganz
andere Sprache. Das CDU-Wahlprogramm und
Sonntagsreden versprachen vollmundig: Strom bezahlbar halten, Standort
sichern, Netzentgelte senken.
Und wie sieht heute die tatsächliche Realität aus?
Haushalte zahlen vielerorts 35 Cent pro Kilowattstunde, der Mittelstand
liegt über 18 Cent, und selbst große Industrieabnehmer in Deutschland
zahlen trotz Privilegien deutlich mehr als Unternehmen
in anderen Industriestaaten. Zum Vergleich: In den USA sind wir
bei 8 bis 10 Cent, in Frankreich bei 12 bis 15 Cent.
Das ist kein Wettbewerbsnachteil mehr, das
ist Selbstsabotage Deutschlands. Und die Netzentgelte?
Sie sind seit Jahren der stille Preistreiber Nummer eins.
Die Kosten für Netzstabilisierung, Einspeisemanagement und Redispatch
explodieren – Milliarden jedes Jahr. Das ist das Ergebnis einer planlosen
Energiewende ohne Grundlast, ohne Netze, ohne Ehrlichkeit.
Und die CDU? Sie hat in Regierungsverantwortung
alle zentralen Stellschrauben mitgedreht. Das Zerstören der Kernkraft, der Ausbau der Erneuerbaren ohne Netze,
Umlagen, Abgaben und Abkassieren, das ist Ihr Geschäftsmodell.
Und heute versuchen Sie es mit dem „Industriestrompreis light“ und ein
paar kosmetischen Deckelungen bei Netzentgelten.
Das ist keine Strategie, das ist ein Pflaster auf offener Wunde.
Und schauen wir doch mal auf die Folgen.
Investitionen wandern ab, nicht weil Manager plötzlich die Heimat nicht
mehr lieben, sondern weil jeder Kilowattstundenpreis in der
Kalkulation entscheidet, ob eine Schmelze, ein Werk, ein Rechenzentrum
hier oder eben anderswo entsteht. Produktionslinien stehen still, Aufträge gehen nach Osteuropa,
Amerika oder Asien, und währenddessen predigen Sie Wettbewerbsfähigkeit,
liefern aber europäische Rekordpreise für Strom.
Das ist die Konkurrenzlosigkeit der deutschen Industrie, allerdings im
schlechtesten Sinne: konkurrenzlos teuer.
Ein Industriestrompreis aus Steuergeld ist kein Konzept, sondern
ein Notstromaggregat. Er subventioniert Symptome,
nicht die Ursachen. Wer ernsthaft Wettbewerbsfähigkeit
will, muss an die Strukturen gehen. Wir von der AfD-Bundestagsfraktion
legen Ihnen dafür ein belastbares Paket auf den Tisch: Strompreise
ehrlich und dauerhaft senken; CO2-Preis und nationale Sonderabgaben
streichen – der deutsche Alleingang verteuert jeden Prozess, ohne das
Weltklima zu retten –; Stromsteuer runter auf EU-Mindestniveau;
Grundlast zurückholen – Kernenergie reaktivieren und modernisieren, ohne
Grundlast kein günstiger Strom – entweder hören Sie auf, zu quatschen,
oder stellen eine Zwischenfrage –; Moratorium für kostentreibende
Bürokratie, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz,
unnötige Berichtspflichten, nationale Verschärfungen über
EU-Recht hinaus streichen. Wir müssen die industrielle
Wertschöpfung in Deutschland halten, Unternehmensteuern senken, degressive
Sonderabschreibungen mit 50 Prozent für Energieeffizienz,
Digitalisierung, Forschung und Reindustrialisierung ermöglichen,
Netz- und Standortverträge für stromintensive Betriebe einrichten,
verlässliche Preise über zehn Jahre anbieten, nicht kurzfristig, nicht
als Dauersubvention, sondern abgesichert durch echte
Kostensenkungen bei Steuern, Abgaben und Netzentgelten.
Und ja: Das alles ist finanzierbar, wenn man die Milliardenumverteilung
in ineffiziente Fördertöpfe und internationale Projekte beendet und
Prioritäten setzt. Und, verehrte Kollegen von der CDU,
Sie haben die letzten Jahre viel versprochen: bezahlbare Energie.
Sie wollen Wettbewerbsfähigkeit und Planungsbeschleunigung.
Aber die Wirklichkeit sieht doch ganz anders aus: die höchsten
Industriestrompreise Europas, Netzentgelte auf Rekordniveau,
Milliarden für die Netzstabilisierung, Abwanderung von
Produktion und Know-how. Ihre großen Zahlen aus den
Wahlkämpfen stehen heute in jeder Stromrechnung als schmerzhafte
Realität, nur eben in Rot.
Und um zu den Grünen zu kommen: Der damalige Bundesumweltminister Jürgen
Trittin wagte ja damals die irrwitzige Aussage: Die Energiewende
kostet jeden deutschen Haushalt nicht mehr als eine Kugel Eis. –
Mittlerweile wissen wir: Sie kostet jeden Haushalt einen ganzen Eiswagen.
Wir hingegen wollen, dass in Deutschland wieder Wertschöpfung
stattfindet, statt immer mehr zu importieren. Wir müssen wieder Arbeitsplätze schaffen, keine Subventionstatbestände. Hören Sie auf, den Standort mit
Sprechblasen zu trösten. Machen Sie die Kilowattstunde Strom
endlich wieder bezahlbar. Dann kommt die Wettbewerbsfähigkeit
zurück, nicht durch PR-Titel, nicht durch Sprechblasen, sondern durch
harte Fakten auf der Stromrechnung. – Und ja, auch mit Gas aus Russland,
überhaupt kein Problem. – Lassen Sie uns darüber reden, und lassen Sie uns
über die Atomkraft reden, weil genau dann werden wir wieder
wettbewerbsfähig werden. Vielen Dank.
Der nächste Redner in dieser Debatte: für die SPD-Fraktion Jens Peick.
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