Rede im Bundestag
Deutschlands Postmärkte
15. Dezember 2023 · 13:32 Uhr · 145. Sitzung · TOP 26 · 00:04:02
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Was gesagt wurde
Wortlaut aus der Untertiteldatei des Deutschen Bundestages. Automatisch erstellt – kleinere Abweichungen vom gesprochenen Wort sind möglich. Verbindlich ist das Plenarprotokoll.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wissen Sie, was der Unterschied zwischen der
Deutschen Post und einem rot-grün-gelb geführten Land ist?
Dem Postkonzern geht es gut, dem ampelgeführten Land geht es
schlecht. Mit einem Umsatz von 81,7 Milliarden Euro
im Jahr 2021 beschäftigt die Post rund 574 000 Mitarbeiter in 220
Ländern und liefert allein in Deutschland heute immer noch rund 12
Milliarden Brief- und Paketsendungen im Jahr aus.
Der hier heute vorliegende Antrag der CDU/CSU setzt vermutlich auf dem
Eckpunktepapier des BMWK zur Novelle zum Postgesetz auf.
Wenn man sich dieses genauer anschaut, sieht man, dass auch dort
wieder einmal viel von sozial-ökologischer Transformation
fabuliert wird. Offensichtlich ist kein Lebensbereich in Deutschland
mehr vor dieser wirren links-grünen Ideologie gefeit.
Wer allerdings davon ausgeht, dass mit einer Novellierung des
Postgesetzes dieses an die Lebenswirklichkeit angepasst wird,
der wird leider eines Besseren belehrt. Statt sich also mit den sich ändernden Bedürfnissen der
Postkunden zu beschäftigen, geht es hier vor allem darum, was die Post
tun kann, um ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Mit Kundenservice hat dies enttäuschenderweise nichts zu tun.
Man könnte jetzt meinen, die Union möchte hier nachbessern,
aber weit gefehlt. Auch Ihr Antrag geht an der Lebenswirklichkeit der Menschen meilenweit vorbei. Was fordern Sie denn im Einzelnen? Wie immer mehr EU durch eine
Ausweitung der EU-Postrichtlinie statt mehr Kompetenz für den
deutschen Nationalstaat. Nehmen wir zum Beispiel die
Zustellung von Briefen. Aktuell hat die Post ihr Ziel so definiert, dass Briefe in der Regel
am nächsten Werktag zugestellt werden sollen, im ungünstigsten
Fall spätestens nach drei Tagen. Nach dem hier vorliegenden Antrag soll dieser Anspruch
nun massiv aufgeweicht werden. Demnach hätte die Post ganze fünf Tage Zeit, einen Brief zuzustellen,
wenn ein Wochenende dazwischenliegt. Neben einer massiven Verschlechterung beim Service hätte diese Änderung
auch Auswirkungen auf die Widerspruchsfristen; denn aktuell
wird mit einem Postlauf von drei Tagen gerechnet, der dann hinfällig wäre. Dazu jedoch in Ihrem Antrag kein Wort.
Die Voraussetzungen für eine umweltfreundliche Briefzustellung
sollen geschaffen werden. Was soll ich mir darunter vorstellen? Die Zustellung mit dem Lastesel
oder dem Lastenfahrrad, oder was? Auch bei der Union scheint die Klimahysterie den Blick auf
das Wesentliche zu vernebeln. Sie wollen mit mehr Bürokratie die Bürokratie reduzieren.
Ihr gesamter Antrag ähnelt mal wieder der Erschaffung eines
Bürokratiemonsters, um sich selbst zu verwalten. Kein Wort über die
tatsächlichen Bedürfnisse der Postkunden. So wird schon lange
oftmals nicht mehr persönlich zugestellt. Der Hinweis, dass man
nicht angetroffen wurde und das Paket irgendwo liegt, ist schneller
geschrieben als auf die Klingel gedrückt. Das sind wohl noch die Nachwehen der Coronazeit. Tatsächlich gibt es aktuell nur noch drei eigene Postämter in Bonn,
Berlin und auf der Zugspitze ; der Rest wird über Shop-in-Shop-Lösungen abgewickelt.
Dumm nur, dass die Post dafür so minimale Kosten erstattet, dass davon
keiner leben kann und immer mehr Unternehmen deshalb wieder
auf diese Zusammenarbeit verzichten. Fraglich also, wie Sie 12 000 Filialen erhalten wollen.
Die von Ihnen angesprochenen Automatenlösungen sind Scheinlösungen. Bereits heute sind viele, gerade ältere Menschen, mit diesen
unpersönlichen Methoden überfordert. Aber auch dazu
kein Wort von Ihnen. Aktuell hat die Post doch ganz andere Sorgen, nämlich die Kostenstruktur.
Die Chefin der Post- und Paketsparte des Unternehmens erläuterte dazu:
„Angesichts drastisch gestiegener Kosten durch Inflation, höhere
Energiepreise und den sehr hohen Tarifabschluss 2023 sowie deutlich
stärker abnehmende Briefmengen führt an einer vorzeitigen Erhöhung
des Portos kein Weg vorbei.“ Man sieht also auch hier: Die Fortschrittskoalition wirkt. Auch in diesem Lebensbereich führt die aktuelle Politik zu
deutlichen Preissteigerungen für den Bürger.
Liebe Union, mein Vorschlag wäre: Lassen Sie es sein! Sie können es
genauso wenig wie die sogenannte Fortschrittskoalition.
Warten Sie noch ein paar Monate bis zu den Neuwahlen! Dann werden
wir auch dieses Problem lösen. Vielen Dank. Vielen Dank, Herr Kollege Schattner.
Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Sandra Detzer, Bündnis 90/Die Grünen.
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