Rede im Bundestag
Aktuelle Stunde: Gemeinsam für unser Handwerk
27. September 2023 · 15:48 Uhr · 124. Sitzung · TOP ZP 1 · 00:05:04
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Was gesagt wurde
Wortlaut aus der Untertiteldatei des Deutschen Bundestages. Automatisch erstellt – kleinere Abweichungen vom gesprochenen Wort sind möglich. Verbindlich ist das Plenarprotokoll.
(Rednerwechsel) Vielen Dank. Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Dass die Ampel etwas für das Handwerk tun möchte,
ist in etwa genauso glaubwürdig, als wenn Kanzler Scholz sein
Gedächtnis zum Thema „Warburg Bank“ wiederfinden würde.
Immerhin sind doch Sie der Grund dafür, dass das Handwerk sowie
kleine und mittelständische Unternehmen so stark belastet werden
wie niemals zuvor. In der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit
haben wir einen Kinderbuchautor als Wirtschaftsminister,
der sagt: Eine Firma, die nichts produziert, ist nicht insolvent. Sie hat einfach erst mal aufgehört, zu produzieren. Nach seinem Verständnis hören in Deutschland zurzeit einfach extrem
viele Firmen auf, etwas zu produzieren. Aber schauen wir uns das deutsche Handwerk doch mal etwas genauer an.
Handwerksunternehmen sind die Basis der deutschen Wirtschaft.
Insgesamt sind 5,4 Millionen Menschen im Handwerk beschäftigt,
wobei der Sektor dabei rund 651 Milliarden Euro
an Umsatz erwirtschaftet. Mit etwa 130 Berufen ist das Handwerk der Kern des
Mittelstandes in Deutschland. Die Leistungen der Handwerker werden täglich millionenfach
in Anspruch genommen. Dabei stellen sich jederzeit Bäcker, Fleischer, Maler, Maurer oder auch
Klempner in den Dienst ihrer Kunden und Auftraggeber.
Aber die Branche hat es momentan extrem schwer;
denn durch die unsägliche Bürokratisierung und Überakademisierung fehlen Mitarbeiter in den deutschen
Handwerksbetrieben. Inzwischen geben vier von fünf ausgebildeten Handwerksmeistern an,
sich nicht selbstständig machen zu wollen.
Grund hierfür ist die Bürokratie, die alles abwürgt.
Heutzutage baut doch der Klempner lieber ein Bad anstatt einer
Wärmepumpe ein, weil er dann nicht einen weiteren Arbeitstag mit dem
Ausfüllen von Anträgen dafür beschäftigt ist.
Wir dürfen uns einig sein bei der Annahme: Wer sich heutzutage als
Handwerker selbstständig machen will, muss mindestens eine
Vollzeitarbeitskraft im Büro beschäftigen, um den ganzen
Bürokratiewahnsinn zu bewältigen.
Vor allem das Thema Bürokratie ist nicht neu.
Während die Bundesregierung seit Jahren von Bürokratieabbau
schwadroniert, ist ihr Handeln aber genau das Gegenteil:
Rückzahlungen von Coronahilfen, Gebäudeenergiegesetz,
erhöhte Dokumentationspflichten bei den Arbeitszeiten;
das lässt sich endlos fortsetzen. Ein weiteres großes Problemfeld ist die Baubranche. Derzeit gehen
reihenweise Bauträger aufgrund steigender Zinsen und Rohstoff- sowie
Energiepreise in die Insolvenz. Davon betroffen sind vor allem Maurer oder Zimmerleute, die
ihren Job verlieren. Aber auch die Baukunden stehen dann meistens vor einer Bauruine und haben
schon mehrere Hunderttausend Euro investiert.
Allein im vergangenen Jahr meldeten 3 270 Handwerksbetriebe Insolvenz an.
Das sind 12 Prozent mehr als im Jahr 2021.
Damit stiegen die Insolvenzen im Handwerk dreimal mehr als im
gesamtwirtschaftlichen Trend. Und auch der zeigt bereits nach oben.
Die Bundesregierung und insbesondere Sie als Vertreter der Ampel haben das
Vertrauen der Handwerker längst verloren und verspielt.
Dies zeigte sich nicht zuletzt in den Absagen des Bundesverbandes deutscher
Wohnungs- und Immobilienunternehmen sowie des Eigentümerverbandes Haus & Grund
zum Baugipfel im Kanzleramt. Für warme Worte kommt
schon lange keiner mehr ins Kanzleramt gefahren.
Trotz alledem stellen sich heute noch Vertreter von Ihnen hin und erzählen
uns die Mär: Handwerk hat goldenen Boden. Meine Damen und Herren,
das zeigt doch nur, dass Sie sich mit dem Handwerk überhaupt nicht beschäftigt haben. Nicht ohne Grund heißt das vollständige Zitat nämlich:
„Handwerk hat goldenen Boden, sprach der Weber,
da schien ihm die Sonne in den leeren Brotbeutel.“
In der gleichen Situation befindet sich das deutsche Handwerk;
nur davor verschließen Sie die Augen. Fakt ist: Wenn weiterhin noch Brote gebacken, Leitungen gewechselt oder
das Stromkabel verlegt werden soll, muss etwas passieren in Deutschland.
Wir als AfD unterstützen deshalb die Forderung der Kammern auf Rückkehr
zur Meisterpflicht. Ebenso sehen wir auch die Notwendigkeit einer finanziellen
Unterstützung bei der Meisterausbildung. Es ist doch ein Unding, dass ich jahrelang kostenlos
Genderwissenschaften studieren kann, während ich für eine solide
Meisterausbildung immer noch Tausende von Euros zahlen muss.
Diese Ungerechtigkeit muss endlich abgeschafft werden.
Wir sind für eine kostenlose Meisterausbildung. Richtige Ansätze
sehe ich bei Modellprojekten wie zum Beispiel dem Handwerkergymnasium,
bei dem Abitur und Meisterausbildung kombiniert werden.
Dies würde zu mehr Anerkennung in den Handwerksberufen führen,
und wir hätten auch das Problem der offenen Nachwuchsstellen gelöst;
denn inzwischen fehlen im Handwerk gut 40 000 Lehrlinge im Jahr.
Denn eines ist für mich klar: Sollten Sie als Ampel Ihren Kurs
nicht ändern, dann werden wir in den nächsten Jahren bald keine Handwerker
mehr haben und ohne Handwerk keinen Mittelstand und ohne
Mittelstand kein Wachstum. Wollen Sie also wirklich etwas für das Handwerk tun, so wie der Titel
Ihrer Aktuellen Stunde lautet, dann hören Sie den Leuten einfach
einmal zu und pfuschen ihnen nicht in ihr Handwerk.
Senken Sie endlich die Steuern und Abgaben für die Bevölkerung,
sorgen Sie für bezahlbare Energie, und beenden Sie Ihren ideologischen
Kreuzzug auf dem Rücken des deutschen Volkes! Vielen Dank.
Für die FDP-Fraktion hat das Wort Manfred Todtenhausen.
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