Rede im Bundestag
Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen durch die BVVG
27. April 2023 · 18:43 Uhr · 100. Sitzung · TOP ZP 6 · 00:04:31
Das Video liegt beim Deutschen Bundestag und wird erst geladen, wenn Sie darauf klicken.
Was gesagt wurde
Wortlaut aus der Untertiteldatei des Deutschen Bundestages. Automatisch erstellt – kleinere Abweichungen vom gesprochenen Wort sind möglich. Verbindlich ist das Plenarprotokoll.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Der ursprüngliche Titel Ihres Antrages, nämlich „Das Erbe der
demokratischen Bodenreform verteidigen...“, ist an Heuchelei
und Geschichtsklitterung kaum zu überbieten. Ihre sogenannte
demokratische Bodenreform war in Wahrheit nichts anderes als eine
diktatorische Zwangsenteignung und später dann eine
Zwangskollektivierung der Leistungsträger, Unternehmer und
Landwirte in der sowjetischen Besatzungszone, also klassisches
kommunistisches SED-Unrecht. Bauern wurden damals nicht nur
psychisch, sondern auch physisch terrorisiert und besonders renitente
ins Gefängnis gebracht oder in späteren Aktionen wie zum Beispiel
der „Aktion Ungeziefer“ zwangsausgesiedelt.
Ihr Land wurde dann enteignet und später den Schergen
Ihrer Partei zugeschanzt. Die Hoffnung vieler Bürger der DDR, dass dieses Unrecht nach der Wende
aufgearbeitet und beseitigt wird, hat sich leider nicht erfüllt.
Im Jahr 1990 sollten durch das Landwirtschaftsanpassungsgesetz die
Bauern der ehemaligen DDR wieder ihre Immobilien und Ländereien
zurückbekommen, zumindest in der Theorie. Aber Theorie und Praxis
sind zwei Paar Schuhe. Denn was passierte wirklich? Ihre Parteifreunde von der SED,
welche gleichzeitig auch des Öfteren Vorsitzende einer LPG waren,
rechneten das Vermögen der LPGs buchhalterisch so weit nach unten,
dass sie auf dem Papier nahezu in Konkurs waren und damit die
ehemaligen zwangsenteigneten Bauern nur einen Bruchteil von dem bekamen,
was ihr Grund und Boden in Wirklichkeit wert war.
Die Folge war: Es entstanden blühende Landschaften im Osten
blühend aber nur für die ehemaligen SED-Funktionäre und Vorsitzenden der
LPGs und späteren Genossenschaften. Selbst
heute noch werden Millionenbeträge mit dem erwirtschaftet,
was vielen Menschen damals durch Druck und Androhung von Gewalt
abgepresst wurde. Dieses Verbrechen dann auch noch als „demokratische
Bodenreform“ zu bezeichnen, ist mehr als zynisch.
Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie uns noch in die Gegenwart schauen. Im Jahr 1992 gründete sich die BVVG.
Ihr Auftrag: in den damaligen neuen Bundesländern ehemals enteignete
volkseigene land- und forstwirtschaftliche Flächen
zu privatisieren. Aktuell sind noch 95.714 Hektar Gesamtfläche im Besitz der BVVG.
In den letzten zwölf Jahren sind durch die Finanzkrise im Jahr 2007
die Bodenpreise explodiert. Damit wurde eine weitere Gruppe an Interessenten für
den Boden angezogen. Diese Spekulanten kauften im großen Stil Boden auf.
Aber was macht denn den Boden für die Investoren überhaupt so attraktiv? Es sind die Subventionen, die jährlich aus der EU gezahlt werden; denn somit hat der Investor bei einem Kaufpreis von 15.000 Euro je Hektar
und einer Subvention von mindestens 300 Euro schon eine jährliche
Rendite von 1,5 Prozent erwirtschaftet. Die Leidtragenden sind dabei immer wieder die ortsansässigen Bauern,
für die ein Kaufpreis von 15.000 bis 20.000 Euro
meist nicht wirtschaftlich ist. Als AfD-Bundestagsfraktion fordern wir daher, dass die BVVG-Flächen
vorrangig an regionale Betriebe und Junglandwirte verpachtet
oder veräußert werden; denn die Wertschöpfung, die auf dem Land erbracht wird,
kommt dann in erster Linie den Landwirten zugute und nicht den
außerlandwirtschaftlichen Investoren. Weiterhin versucht die grüne Bundesregierung über die
Vergaberichtlinien der BVVG, Biolandwirte zu bevorzugen sowie
ihren Ökofanatismus durchzusetzen und damit gleichzeitig auch einen
Spaltkeil zwischen die konventionelle und die Biolandwirtschaft zu treiben.
Am Ende freuen sich die Investoren über mehr Land, und die Bauern gehen
wieder als Verlierer vom Platz. Das wird es mit uns nicht geben.
Und noch eine Bemerkung zu den Abgeordneten der Mauermörderpartei
oder wie sie sich jetzt umbenannt haben an Die Linke.
Ein Verbrechen wird nicht besser oder gar ungeschehen, nur weil man es
jetzt „demokratisch“ nennt. Sie würden vielen Menschen in der ehemaligen DDR noch eine späte
Genugtuung verschaffen, wenn Sie diese Verbrechen von damals
auch als solche heute benennen würden. Liebe Genossinnen und Genossen der SED, wir werden Ihrem Antrag
selbstverständlich nicht zustimmen. Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Kollege Schattner.
Das entscheiden dankenswerterweise immer noch die Wähler:innen,
wer hier im Parlament sitzt. Nächste Rednerin ist die Kollegin
Ulrike Harzer, FDP-Fraktion.
In der Mediathek des BundestagesAlle Reden