Kleine Anfrage
Entwicklung von Insolvenzverfahren sowie Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage in der Landwirtschaft
- Eingereicht
- 15. Mai 2026
- Drucksache
- 21/5951
- Eingebracht von
- Fraktion der AfD
- Wahlperiode
- 21.
Eine Kleine oder Große Anfrage bringt die Fraktion ein. Bernd Schattner hat sie mitgezeichnet – sie ist nicht seine allein.
Die Anfrage im Wortlaut
Vorbemerkung der Fragesteller
Das Amtsgericht Dessau-Roßlau hat am 1. April 2026 das Regelinsolvenzverfahren über das Vermögen der PORKY Gröden Schweinezucht und Mast GmbH eröffnet (www.rws-verlag.de/aktuell/newsticker-kanzleien/insolvenzver fahren-der-porky-groeden-schweinezucht-und-mast-gmbh-eroeffnetlandwirtsch aftlicher-betrieb-will-sich-mithilfe-eines-investors-neu-aufstell-85134/). Darüber informierte die Berliner Kanzlei Voigt Salus als bestellter Insolvenzverwalter in einer entsprechenden Mitteilung. Bereits zum Jahresende 2025 zeichnete sich die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens ab. Ein massiver Preisverfall am Schweinemarkt – ausgelöst durch ein deutliches Überangebot sowie internationale Handelskonflikte, insbesondere durch Strafzölle in China – setzte den Betrieb zuletzt erheblich unter Druck. Wie aus der Pressemitteilung hervorgeht, musste das Unternehmen seine Erzeugnisse zuletzt zu Preisen abgeben, die teils deutlich unter den eigenen Produktionskosten lagen. In den Monaten Januar und Februar 2026 konnten lediglich rund 60 Prozent der Herstellungskosten gedeckt werden. Diese Entwicklung gilt als Hauptursache für den Insolvenzantrag (www.agrarheute.com/tier/schwein/30000-tiere-4000-sauen-insolvent-grossbetrieb-osten-sucht-investor-64 0234). Trotz der angespannten Lage wird der Betrieb seitdem im vorläufigen Insolvenzverfahren uneingeschränkt fortgeführt. Der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter formuliert die Zielsetzung wie folgt: „Ziel des Insolvenzverfahrens ist es, den Betrieb langfristig fortzuführen und durch einen Investor zu stärken.“ Im Fokus steht dabei insbesondere die ununterbrochene Versorgung der rund 30 000 Tiere sowie deren vollständige und bestmögliche Vermarktung bis zum Sommer unter Wahrung des Tierwohls. Voigt Salus zeigt sich zuversichtlich, dass es dem Sanierungsteam gelingen werde, die Fortführung des Unternehmens zu erreichen. Der Kern des Unternehmens sei weitgehend gesund. Der Betrieb beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und befindet sich derzeit auf der Suche nach geeigneten Investoren, um den Betrieb wieder wettbewerbsfähig zu gestalten. Nach eigenen Angaben seien dazu bereits Gespräche mit verschiedenen Interessenten geführt worden, der Ausgang ist jedoch noch unklar (www.zri-online.de/aktuell/insolvenzverfahre n-der-porky-groeden-schweinezucht-und-mast-gmbh-eroeffnetlandwirtschaftlic her-betrieb-will-sich-mithilfe-eines-investors-neu-aufstell-85134/). Ein weiterer insolventer Agrarund Handelskonzern ist BayWa, der zuletzt aufgrund von finanziellen Problemen bei der in der Ökostrombranche tätigen Tochtergesellschaft „BayWa r.e.“ in finanzielle Schieflage geraten ist. Laut Presseberichterstattung sind unter anderem Schuldenerlassungen sowie weitreichende Restrukturierungsmaßnahmen Teil des Sanierungskonzepts. Die Bay-Wa ist unter anderem für den Landwirtschaftsbereich in Südund Ostdeutschland von relevanter Bedeutung. Neben dem Ankauf von Ernten ist das Unternehmen ein wichtiger Lieferant für Saatgut, Dünger und Landmaschinen (www.br.de/nachrichten/wirtschaft/bericht-glaeubiger-sollen-baywa-milliarden schuld-erlassen,VHzLwW0). Wir fragen die Bundesregierung: 1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Insolvenzanträge von landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren entwickelt (bitte nach Bundesland, Betriebsgröße und Jahr der Insolvenz
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Insolvenzanträge von landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren entwickelt (bitte nach Bundesland, Betriebsgröße und Jahr der Insolvenz aufschlüsseln)?
2. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Betriebsstruktur dieser landwirtschaftlichen Betriebe dar (vgl. Frage 1, bitte nach Pflanzenbau, Milchviehhaltung, Schweinehaltung, Biogas, Obstund Gemüsebau sowie Weinbau aufschlüsseln)?
3. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele dieser in Frage 1 erfragten landwirtschaftlichen Betriebe von außerlandwirtschaftlichen Investoren übernommen wurden, wie der Fall der Aldi-Stiftung gezeigt hat (www.private-banking-magazin.de/fuer-40-millionen-euro-stiftung-von-aldi-erbe-kauft-agrarbetrieb-in-thueringen/)?
4. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Insolvenzanträge in der verarbeitenden Industrie landwirtschaftlicher Produkte in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland (bitte nach Molkereien, Mühlen und Lebensmitteleinzelhandel aufschlüsseln)?
5. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Arbeitsplätze die BayWa in den letzten drei Jahren in Deutschland abgebaut hat (www.merkur.de/wirtschaft/die-baywa-muss-wegen-der-energietochter-ihren-rettungspla n-aendern-94213062.html#google_vignette)?
6. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob die BayWa auch außerhalb Deutschlands Arbeitsplätze abgebaut hat bzw. Produktionsstandorte geschlossen hat (wenn ja, bitte Land und Anzahl der entlassenen Arbeitskräfte sowie geschlossene Standorte aufzählen)?
Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage erscheint als eigene Drucksache und ist hier nicht abgedruckt. Sie ist über die Parlamentsdatenbank des Deutschen Bundestages unter derselben Vorgangsnummer zu finden.
Original beim Deutschen BundestagZurück ins ArchivAus demselben Feld
- 22.07.2026Risiken für landwirtschaftliche Betriebe durch geänderte Tierwohlverträge im Lebensmitteleinzelhandel
- 17.07.2026Zentralisierung des Genehmigungsverfahrens für Tierversuche
- 08.07.2026Geplante Unterstützungsmaßnahmen für den deutschen Weinbau
- 08.07.2026Position der Bundesregierung zu den EU-Plänen für die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028