Kleine Anfrage
Burn-out, psychische Belastungen und Suizidgefährdung in der deutschen Landwirtschaft
- Eingereicht
- 6. Juli 2026
- Drucksache
- 21/6862
- Eingebracht von
- Fraktion der AfD
- Wahlperiode
- 21.
Eine Kleine oder Große Anfrage bringt die Fraktion ein. Bernd Schattner hat sie mitgezeichnet – sie ist nicht seine allein.
Die Anfrage im Wortlaut
Vorbemerkung der Fragesteller
Die auf Depressionen bei Landwirten spezialisierte Psychotherapeutin Karen Hendrix äußerte sich gegenüber dem „Tagesspiegel“, dass sie aus Erfahrung wisse, dass jeder Landwirt ungefähr drei andere Landwirte kenne, die Suizid begangen hätten (www.tagesspiegel.de/gesellschaft/psychiaterin-uber-depressio nen-unter-bauern-jeder-landwirt-kennt-ungefahr-drei-andere-landwirte-die-suiz id-begangen-haben-13060516.html). Landwirte stehen unter enormem Druck. Explodierende Kosten, fallende Preise, immer neue Auflagen (www.agrarheute.com/land-leben/tabu-thema-selbstm orde-landwirten-erschreckend-viele-landwirte-suizid-begehen-640097). Das erzeugt Frust und Existenzängste. Studien zeigen, dass die Suizidrate bei einigen Landwirten weit über dem nationalen Durchschnitt liegt (www.agrarheute.com/management/suizid-landwirten-eu-studie-zeigt-gruende-631548). Wir fragen die Bundesregierung: 1. Welche Behörden, Institutionen oder Stellen erfassen nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland berufsspezifische Daten zu psychischen Erkrankungen, Burn-out-Syndromen und versuchten und/oder erfolgten Suiziden (bitte die Beh
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Behörden, Institutionen oder Stellen erfassen nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland berufsspezifische Daten zu psychischen Erkrankungen, Burn-out-Syndromen und versuchten und/oder erfolgten Suiziden (bitte die Behörden, Institutionen oder Stellen nach Bundesländern auflisten)?
2. Welche der in Frage 1 erfragten Behörden, Institutionen oder Stellen erfassen nach Kenntnis der Bundesregierung die psychischen Erkrankungen, Burn-out-Syndrome und versuchten und/oder erfolgten Suizide speziell in landwirtschaftlichen Betrieben (bitte die Behörden, Institutionen oder Stellen nach Bundesländern auflisten)?
3. Welche Beratungsstellen zu Burn-out, psychischen Erkrankungen und Suizidgefährdung bei Landwirten sind der Bundesregierung ggf. bekannt, und wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die finanzielle Unterstützung dieser – vermutlich auch teils privaten – Stellen seitens der öffentlichen Hand (bitte alle Beratungsstellen je Bundesland mit dem jeweiligen Budgetrahmen der letzten zehn Jahre und die finanzierende Stelle, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert auflisten)?
4. Sollten einzelne oder alle der in Frage 3 erfragten Beratungsstellen in den vergangenen Jahren oder im letzten Jahr nach Kenntnis der Bundesregierung weniger finanzielle Unterstützung erhalten haben (ausgehend vom Wert im Jahr 2020), warum ist das nach Kenntnis der Bundesregierung so (bitte je Beratungsstelle, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert begründen)?
5. Wie häufig wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die unterschiedlichen Beratungs-, Präventionsund Unterstützungsangebote speziell für Landwirte mit psychischen Belastungen in den vergangenen zehn Jahren angenommen (bitte mit jeweiligen Fallzahlen pro Jahr nach Bundesländern erbeten, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert auflisten)?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über psychische Belastungen, Burn-out-Syndrome, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen unter Landwirten in Deutschland vor?
7. Welche Ursachen für psychische Belastungen unter Landwirten sieht die Bundesregierung ggf. (bitte, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert auflisten)?
8. Hat die Bundesregierung Kenntnis, in wie vielen Fällen in den vergangenen zehn Jahren allgemein psychische Erkrankungen der Auslöser für die Hofaufgabe waren (wenn ja, bitte nach Krankheitsbild und jeweiliger Anzahl je Bundesland aufschlüsseln)?
9. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob Landwirte im Vergleich zur Gesamtbevölkerung oder zu anderen Berufsgruppen signifikant unterschiedliche psychische Erkrankungen oder Suizidgefährdungen aufweisen (bitte die Zahlen nach Gesamtbevölkerung und Berufsgruppe je Bundesland, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert angeben)?
10. Lassen sich aus den in Frage 9 erfragten Daten nach Kenntnis der Bundesregierung auch signifikante Unterschiede zwischen Vollund Nebenerwerbslandwirten, Familienbetrieben und Agrargenossenschaften und/oder Agrar-GmbHs etc., bzw. nach Hofgrößen darstellen (wenn ja, bitte nach Bundesländern detailliert aufschlüsseln)?
11. Gibt es bundesweit und/oder nach Kenntnis der Bundesregierung bundeslandbezogene Erhebungen oder Auswertungen zu Suizidversuchen oder vollendeten Suiziden bei Landwirten (bitte je Bundesland, sofern der Bundesregierung bekannt, aufstellen)?
12. Wenn Frage 11 verneint wird, warum gibt es diese Erhebungen Auswertungen nicht (bitte detailliert begründen)?
13. Welche Rolle für die psychische Gesundheit von Landwirten spielen nach Erkenntnis der Bundesregierung folgende Faktoren: wirtschaftlicher Druck, Extremwetterereignisse, Tierseuchen, Bürokratiebelastung, Dokumentationspflichten, Hofübergabe bzw. Nachfolgeregelung, soziale Stellung, gesellschaftliche Konfliktlagen und allgemeine Zukunftsängste (bitte jeweils, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert begründen)?
14. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung ggf. zu regionalen Schwerpunktbereichen bzw. besonderen Belastungsregionen (bitte die Belastungsgründe bzw. Krankheitsbilder nach Bundesländern und Regionen, sofern der Bundesregierung bekannt, auflisten)?
15. Welche konkreten Maßnahmen hält die Bundesregierung ggf. für erforderlich, um psychische Belastungen, Burn-out-Syndrome und Suizidgefährdungen unter Landwirten frühzeitig zu erkennen und Betroffenen rechtzeitig ein Beratungsund/oder Präventionsangebot aktiv anzubieten (bitte die einzelnen Maßnahmen, sofern zutreffend, auflisten und beschreiben)?
16. Plant die Bundesregierung eine bundesweite, wissenschaftliche Untersuchung oder Datenerhebung zur psychischen Gesundheit und Suizidgefährdung unter Landwirten?
17. Wenn Frage 16 bejaht wird, wer ist beziehungsweise wird mit der Durchführung dieser Untersuchung betraut, und wann ist mit dem Ergebnis dieser Untersuchung zu rechnen?
18. Wenn Frage 16 verneint wird, warum nicht (bitte detailliert begründen)?
19. Wie viele niedergelassene Psychiater, Psychotherapeuten und Fachärzte für Psychosomatik sind in ländlichen Regionen mit hoher landwirtschaftlicher Prägung je 100 000 Einwohner verfügbar, und wie unterscheidet sich diese Versorgungsdichte vom Bundesdurchschnitt?
20. Welche durchschnittlichen Wartezeiten auf einen ambulanten Therapieplatz bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung in ländlich geprägten Regionen im Vergleich zu städtischen Regionen, und welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die Unterversorgung im ländlichen Raum zu beheben?
21. Inwiefern sind nach Kenntnis der Bundesregierung telemedizinische und digitale Angebote zur psychologischen Beratung speziell für Landwirte verfügbar, erstattet und in der Praxis erreichbar, insbesondere in Gebieten ohne ausreichende Breitbandversorgung?
22. Welche Leistungen erbringt nach Kenntnis der Bundesregierung die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) im Bereich psychischer Erkrankungen, vor allem Depressionen verschiedener Ausprägungsgrade, eventuell Traumafolgestörungen und Suizidprävention, und wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Budget dieser Leistungen in den letzten zehn Jahren entwickelt?
23. Sind psychische Erkrankungen und Burn-out-Syndrome bei Landwirten als Berufskrankheit anerkannt oder anerkennungsfähig, und wenn nein, prüft die Bundesregierung eine entsprechende Erweiterung der Berufskrankheiten-Liste?
24. Wie viele Landwirte haben in den letzten zehn Jahren Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Erkrankungen beantragt und erhalten, und wie hat sich diese Zahl entwickelt?
25. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bundesweit einheitliche Screening-Instrumente zur Früherkennung psychischer Belastungen bei Landwirten, etwa im Rahmen von Betriebsberatungen durch die SVLFG oder Landwirtschaftskammern, und wenn ja, wie werden diese nach Kenntnis der Bundesregierung eingesetzt und ausgewertet?
26. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung Tierärzte, Maschinenringe, Landwirtschaftsberater und Lieferanten als potenzielle Frühwarnsysteme für psychische Krisen bei Landwirten, und fördert die Bundesregierung entsprechende Schulungsprogramme für diese Multiplikatoren?
27. Hat die Bundesregierung eine Folgenabschätzung zur psychischen Belastungswirkung neuer bürokratischer Auflagen, insbesondere im Bereich Dokumentationspflichten, Cross-Compliance-Kontrollen und Nachhaltigkeitsberichterstattung, auf landwirtschaftliche Betriebsinhaber durchgeführt, und wenn nein, warum nicht?
Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage erscheint als eigene Drucksache und ist hier nicht abgedruckt. Sie ist über die Parlamentsdatenbank des Deutschen Bundestages unter derselben Vorgangsnummer zu finden.
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