Rede im Bundestag
Aktuelle Stunde: Perspektiven für Landwirtschaft und Weinbau
15. Januar 2026 · 14:17 Uhr · 53. Sitzung · TOP ZP 6 · 00:05:33
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Was gesagt wurde
Wortlaut aus der Untertiteldatei des Deutschen Bundestages. Automatisch erstellt – kleinere Abweichungen vom gesprochenen Wort sind möglich. Verbindlich ist das Plenarprotokoll.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Schon vor Weihnachten und auch in den vergangenen Wochen haben Zehntausende
Landwirte in ganz Europa demonstriert, auf Autobahnen, auf
Marktplätzen, vor Ministerien und Parlamenten.
Die Straßen vor dem EU-Parlament in Brüssel haben gebrannt.
Und warum? Die Landwirte demonstrierten gegen
das Mercosur-Abkommen, sie demonstrierten gegen das Aussterben
eines ganzen Berufsstandes, und sie demonstrierten für nichts Geringeres
als die Ernährungssouveränität ihrer Länder.
Und bei aller Liebe, Herr Stegemann, Sie sehen es doch gerade bei der
Milch: Selbst kleinste Mengenveränderungen führen zu
massiven Preiseinbrüchen. Eines ist doch klar: Wer seine
Landwirtschaft opfert, macht sich abhängig, wer seine Bauern ruiniert,
verliert seine Sicherheit, und wer seine Ernährung aus der Hand gibt,
verkauft ein Stück nationaler Souveränität.
Was macht die Bundesregierung angesichts dieser dramatischen Lage?
In der vergangenen Woche fand in Brüssel eine Krisensitzung aller
Agrarminister statt, um sich der Sorgen der Landwirte anzunehmen.
Das war ein Krisentreffen, ein Alarmruf.
Aber was hat der deutsche Agrarminister gemacht? Er blieb fern und fährt lieber zur CSU-Klausur.
Denn für diese Bundesregierung war ohnehin längst klar: Das
Mercosur-Abkommen soll durchgedrückt werden, egal wer darunter leidet.
Aber wir kennen dieses Verhalten von der CDU zur Genüge.
Der eine spielt Tennis, während seine Stadt ohne Strom dasteht, der andere
trinkt lieber bayerisches Bier und frisst Weißwurst, während deutsche
Bauern bei minus 10 Grad auf der Autobahn demonstrieren, aus Angst um
ihre Zukunft. Denen ist das vollkommen egal.
So sieht die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung aus.
Schauen Sie doch mal auf die Realität, was auf den Höfen
tatsächlich los ist! Die Getreidepreise sind innerhalb von
zwei Jahren um 50 Prozent gefallen. Die Milchpreise sind innerhalb von
zwei Monaten um 40 Prozent eingebrochen. Die Schweinepreise sind innerhalb eines halben Jahres
um 30 Prozent gesunken. Und um dem Ganzen die Krone
aufzusetzen, verschenkt jetzt die Osterland Agrar aus dem Leipziger
Vorland 4 000 Tonnen Kartoffeln kostenlos nach Berlin.
1 200 Lkw-Ladungen Lebensmittel sind unverkäuflich, weil der
Lebensmitteleinzelhandel lieber billig im Ausland zukauft.
Das ist die Realität der deutschen Landwirtschaft im Jahr 2026.
Und was sagt unser Kanzler dazu? „Die Einigung zum
EU-Mercosur-Abkommen ist ein Meilenstein in der europäischen
Handelspolitik und ein wichtiges Signal unserer strategischen
Souveränität und Handlungsfähigkeit.“ An den Herrn Bundeskanzler: Das ist
Realitätsverweigerung in Reinform. Er ist nicht nur der Kanzler der
zweiten Wahl, er ist auch der Münchhausen des Sauerlandes.
Nach Ihren Täuschungen bei Schuldenbremse und Migrationspolitik
haben Sie nun mit Mercosur den nächsten Verrat begangen – Verrat an
unseren Bauern, der Landwirtschaft und an Deutschland.
Mehr Heuchelei als von der CDU geht mal wieder nicht.
Aber es gibt Alternativen. Zum Beispiel habe ich gestern im
Ausschuss zwei konkrete praxistaugliche Anträge eingebracht –
Stephan Protschka hat es gerade schon angesprochen –: erstens einen Antrag
zur Stärkung der Milcherzeuger gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel und den Molkereien durch die Anwendung von
§ 148 der Gemeinsamen Marktordnung. Damit hätten die Bauern endlich
wieder eine echte Verhandlungsposition, um faire Preise
durchsetzen zu können. Das Zweite ist unser Antrag zur
Stabilisierung und echten Unterstützung des deutschen Weinbaus.
Beide Anträge wurden natürlich von den Regierungsparteien mit
fadenscheinigsten Begründungen abgelehnt, allerdings natürlich ohne
Alternativkonzept, ohne Gegenvorschläge, ohne jede ernsthafte
Unterstützung für unsere deutschen Landwirte.
Und Sie reden von Verantwortung für die Landwirtschaft?
Übrigens, zum Thema Verantwortung: Verehrte Kollegen der CDU, hören Sie
doch bitte endlich auf mit der Mär von den angeblich vollständig
wiedereingeführten Agrardieselrückvergütungen!
In den Jahren 2024 und 2025 haben Sie den deutschen Landwirten durch Ihre
Politik 485 Millionen Euro gestohlen, 485 Millionen Euro, die Sie ihnen
hätten zurückgeben können, aber Sie haben es nicht getan.
Die einzige Partei, die darauf hingewiesen und die rückwirkende
Auszahlung beantragt hat, war wie immer die AfD.
Kommen wir noch zum Weinbau.
Der deutsche Weinbau steckt weiterhin in einer ernsten wirtschaftlichen Krise. Trotz guter Jahrgänge liegen die
Erlöse für Trauben- und Fassweine vielfach unter den Produktionskosten.
40 Cent wurden jetzt im Herbst gezahlt für den Liter Wein auf dem Lastzug. Das ist keine Entlohnung, das ist
Verachtung der Arbeitsleistung. Gleichzeitig verschärft Billigwein
aus dem Ausland den Preisdruck auf unsere heimischen Winzer weiter.
Dabei ist der Weinbau weit mehr als nur ein Wirtschaftszweig.
Er ist Kulturgut, Landschaftspflege, Tourismus, Heimat und Identität.
Wer diesen Weinbau opfert, zerstört mehr als nur Betriebe; er zerstört
ganze Regionen. Meine Damen und Herren, wer hier
Wasser predigt und Wein säuft, wer hier Sonntagsreden hält und werktags
Existenzen zerstört, wer hier von Verantwortung spricht und dann die
Bauern im Regen stehen lässt, der wird bei den anstehenden
Landtagswahlen die Quittung bekommen. Denn dann entscheidet nicht mehr Ihr
Regierungsmarketing, dann entscheidet nicht mehr Ihre PR-Abteilung, dann
entscheidet nicht mehr Ihr Koalitionsvertrag. Dann entscheidet das Volk, und das Volk hat ein sehr gutes Gedächtnis.
Die Quittung für Ihr Regierungsversagen werden Sie bei den Landtagswahlen an den Urnen bekommen, erst in Baden-Württemberg, dann bei
mir in Rheinland-Pfalz, und dann wird der Osten blau.
Vielen Dank.
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für den Bundesrat Manuela
Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.
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